Dann gebe ich auch mal einen zum Besten, auch wenn es OffTopic ist (Camper kennt die Geschichte glaube schon):
Kunde kommt in den Laden und hält ein riesiges Gezeder ab (vor anderen Kunden), daß der Roller welchen er vor einem halben Jahr für seinen Sohn gekauft hatte der letzte Schrott und lebensgefährlich wäre. Die Hinterradbremse hätte schlagartig den Geist aufgegeben und nun würde Bremsflüssigkeit auslaufen.
Habe erst einmal versucht ihn zu beruhigen und zu retten, was noch zu retten ist. Selbstverständlich kann man das Fahrzeug wandeln, wenn ein derartiger schwerwiegender Mangel vorliegt (was willst Du auch sagen, wenn Du das Ding nicht einmal gesehen hast). Selbstverständlich hole ich das Fahrzeug auch ab, da es nicht mehr verkehrstauglich ist. Und selbstverständlich würde Yamaha (ein 2.500 Euro Fuffi, also kein China-Schrott) auch für eventuelle Folgekosten aufkommen, aufgrund der ausgelaufenen Bremsflüssigkeit, wenn er das Fahrzeug trotzdem behalten würde.
Nachdem er natürlich sämtlichen Kunden "gezeigt" hat, was für einen Müll ich verkaufen (sehr geschäfftsförderlich), konnte ich ihn nach einer viertel Stunde dann soweit zurück auf den Teppich holen, daß er eingwilligte, daß ich das Fahrzeug erst einmal abhole und nachsehe, was los ist.
Gesagt getan und daß Ding auf die Bühne. Im hinteren Bereich wirklich alles voller Bremsflüssigkeit, der Lack teilweise schon angegriffen. Komischereise hatte sich weder die Bremsleitung gelöst, noch die dazugehörige Hohlschraube. Auch der Bremssattel hatte keine sichtbaren Risse oder ähnliches. Also Bremssattel demontiert und mal rein geschaut...
Der junge Mann war wohl Anwärter auf den Titel Stuntfahrer (oder aber Wildsau) des Jahres, jedenfalls hat er es geschafft innerhalb 3.500 Kilometer den Bremsbelag komplett herunter zu bremsen. Auch das markerschütternde Quitschen der stählernen Trägerplatten, welche nun beim "bremsen" die ebenso stählerne Bremsscheibe in "die Zange" nahmen, scheinem ihm nicht verständlich gemacht zu haben, daß hier etwas nicht stimmt. Nun, nachdem der offensichtlich Höhrgeschädigte junge Mann auch diese Stahlplatten (!!!) herunter gebremst hatte, stanzten die Bremskolben jeweils ein Loch in die Trägerplatte und übernahmen von nun an die negative Beschleunigung des Fahrzeuges. Auch dieses nochmals gesteigerte, mit Sicherheit infernalische Kreischen der Bremse scheint den heute offenbar typischen Rollerfahrer nicht zu alarmieren. Es kommt natürlich, wie es kein nur einigermaßen gesunder Menschenverstand vermuten würde... er bremste die mit 3 Millimeter Wandungsstärke doch recht massiven Bremskolben ebenfalls soweit herunter (immer begleitet von einer Geräuschkulisse, welche ein 300 km/h schneller ICE bei einer Notbremsung entwickelt), daß die Bremskolben irgendwann natürlich aus dem Sattel heraus fielen und das Bremssystem kühlenderweise seine Flüssigkeit auf die sicherlich glühende Bremsscheibe "kotzte".
Ende vom Lied:
Dem Kunden erklärt, daß es manchmal gut sein kann, einen normalen Ton anzuschlagen, einige Kunden sicherlich aufgrund des Auftrittes des (immernoch) unfreundlichen Herrens verloren, diesem jedoch mit einem frechen Grinsen eine saftige Rechnung über eine vollständige Fahrzeugreinigung, einen neuen Bremssattel sammt Bremsscheibe und natürlich die Fahrzeugabholung vorgelegt. Mit den angefressenen Lackteilen wollte der junge Mann leben. Reparaturkosten ca. 350,-€, ein Satz Bremsbeläge hätte ca. 15,-€ gekostet.
